Interview mam Lëtzebuerger Journal

LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Von der Elfenbeinküste bis nach Luxemburg: „Anges d’Afrique“ unterstützen Kinder in Not

Sie haben klein anfangen und sind bewusst klein geblieben, dafür aber mit sehr großem Engagement bei der Sache: Die „Anges d’Afrique“. Die Vereinigung ohne Gewinnzwecke vermittelt Patenschaften und unterstützt insbesondere Kinder in Not, hat ihr Tätigkeitsfeld aber mittlerweile über den afrikanischen Kontinent hinaus ausgedehnt. Welchen großen Nutzen auch kleinere Projekte haben können, erklärt Präsident Nico Rehlinger im Gespräche mit dem „Journal“.

„Anges d’Afrique asbl“ ist noch ein recht junger Verein, wie kam es zur Gründung?

Nico Rehlinger Die Gründung geht auf eine Privatinitiative zurück. Meine Frau, Teresa Rehlinger, und ihre Freundin, Christiane Sehl, haben 2006 den Grundstein gelegt und mit den Patenschaften angefangen. Durch einen Bekannten, der sich an der Elfenbeinküste auskennt, haben wir erste Kontakte geknüpft. Ab diesem Zeitpunkt haben wir uns dort für Kinder eingesetzt, dafür gesorgt, dass sie ausreichend Essen zur Verfügung haben und gesundheitlich versorgt werden. Impfen ist in Afrika keine Normalität, Malaria beispielsweise aber eine Realität. Und die Armut ist nun einmal groß. Wer aus dem Elend herauskommen will, braucht eine Ausbildung, der Zugang zu Bildung ist deshalb von großer Wichtigkeit. Alles hat 2006 recht bescheiden angefangen, mit Spendensammeln und ein paar Patenschaften. Das Ganze hat aber schnell eine andere Dimension angenommen, sodass Teresa und Christiane es bald nicht mehr alleine schafften. 2008 ist aus der Initiative dann eine Vereinigung ohne Gewinnzwecke entstanden.

Sind Sie oder Ihre Frau damals auch schon selbst an die Elfenbeinküste gereist?

Rehlinger Meine Frau ist Ende 2008 ein erstes Mal hingereist, um sich selbst vor Ort ein Bild von der Situation zu machen, Schulen zu besichtigen und so weiter. Es ist einfach eine ganze andere Welt, angefangen bei den Lebensgewohnheiten bis hin zur Mentalität der Leute. Wenn man sich für etwas engagieren will, ist es natürlich wichtig, selbst einmal zu sehen, an was es tatsächlich fehlt und wo am meisten Handlungsbedarf besteht, damit das Ganze letztendlich auch professioneller angepackt werden kann. Es wurde schnell klar, dass es mit den Patenschaften, wie wir sie bis dahin gehandhabt hatten, nicht ausreichen würde. Es waren mehr Finanzmittel nötig. Um den Kindern wirklich helfen zu können, haben wir die Patenschaft auf 20 Euro pro Monat angehoben, wie gesagt für Lebensmittel, die medizinische Betreuung und die Schulausbildung. 2009 haben wir einen ersten Container mit Schulbänken, die das Ministerium zur Verfügung gestellt hatte, Kleidung, Spielsachen und sonstigem Material, das wir gesammelt hatten, hingeschickt.

Seit wann sind Sie eigentlich dabei?

Rehlinger Ich habe von Anfang an ein bisschen mitgeholfen und bin dann richtig eingestiegen, als wir die Vereinigung gegründet haben. Wenn sich die Partnerin so investiert und man sieht, dass mehr Hände auch mehr erreichen können, ist es natürlich selbstverständlich, dass man seinen Teil ebenfalls beiträgt. Ich bin ja nun auch nicht unsensibel gegenüber dem Leid von Kindern. Besonders ihnen muss man helfen. Ausbildung ist, wie erwähnt, alles in Entwicklungsländern. Wer nicht zur Schule geht, schafft es nicht aus der Armut. Natürlich war ich motiviert, meinen Beitrag zu leisten. Es war auch nicht schwer, weitere Leute zur Mitarbeit zu motivieren. Paten zu finden, war ebenfalls absolut kein Problem. Inzwischen betreuen wir über 50 Patenschaften.

Wollen Sie diese Zahl noch steigern?

Rehlinger Nein, mehr wollen wir nicht. Es soll überschaubar bleiben. Allerdings sind wir der Meinung, dass es nicht reicht, diese Kinder während ihrer Schulzeit zu unterstützen und sie danach sich selbst zu überlassen. Bisher hat noch keines unserer Patenkinder einen Abschluss, deshalb überlegen wir, wie wir sie nachher weiter begleiten können. Wir wollen sie später nicht einfach fallen lassen. Das geht ja nicht.

Wer kümmert sich vor Ort darum, dass das Geld und die Hilfsgüter bei den richtigen Leuten ankommen?

Rehlinger Transparenz war uns von Anfang an sehr wichtig. Was an wen geht, wollen natürlich auch die Paten wissen. Alles ist detailliert belegt. Das bedeutet einiges an administrativem Aufwand, ist aber unerlässlich. Wir haben einen Partner an der Elfenbeinküste, der sich sehr viel Mühe gibt, damit alles seine Richtigkeit hat und dort ankommt, wo es ankommen soll. Übrigens unterstützen wir seit einiger Zeit auch einen Jugendlichen in Madagaskar, der gerade im dritten Studienjahr ist. Wir kommen für sein Studium, seine Unterkunft und Nahrung auf. Vor kurzem haben wir ihm auch ein Laptop finanziert. Ohne unsere Hilfe könnte er nicht studieren. Ihn begleiten wir nun, bis er arbeiten geht.

Von der Elfenbeinküste nach Madagaskar, wie kam es dazu?

Rehlinger Das lief wiederum über einen Bekannten. Die Armut ist sehr groß in Madagaskar. Wir wollten uns ohnehin nicht zwangsläufig auf ein Land festlegen. Soweit es unsere Möglichkeiten erlauben, helfen wir dort, wo wir helfen können, und unterstützen Kinder, die in Not sind. Vor zwei oder drei Jahren haben wir uns deshalb dazu entschieden, auch etwas für Kinder hier in Luxemburg zu tun, indem wir beispielsweise Kleider für notleidende Familien sammeln. Man braucht sich doch nur umzuschauen, bei uns gibt es ebenfalls Armut und Leid. Wir versuchen, ein bisschen überall aktiv zu sein, was aber nicht bedeutet, dass wir blindlings Geld verteilen. Wir schauen uns die Projekte genau an und reden im Vorstand darüber. Auf den Philippinen, wo im November 2013 ein Taifun großen Schaden angerichtet hatte, beteiligen wir uns jetzt auch finanziell an einer Aktion. In Planung ist auch etwas in Senegal. Wir sind allerdings nur ein kleiner Verein und können keine riesigen Summen zur Verfügung stellen. Meist handelt es sich um Projekte bis zu 5.000 Euro. Mehr verschiedene Tätigkeitsbereiche bedeuten einen größeren Aufwand, aber das ist es uns wert. Allerdings wollen wir bewusst klein bleiben und uns nicht übernehmen. Unsere Vereinigung besteht ausschließlich aus Freiwilligen, die sich neben ihrer normalen Arbeit engagieren. Was wir tun, tun wir gerne und auch ordentlich.

Ihre Frau hat ihr Amt als Sekretärin vor kurzem aufgegeben, warum?

Rehlinger Sie will ihre Zeit intensiver nutzen, um nach neuen Projekten zu suchen, diese dann auch mitentwickeln und vor allem abwägen, was für uns machbar ist. Es ist ein großer Pluspunkt, dass wir jetzt jemanden haben, der sich ausschließlich darum kümmert. Das gibt uns mehr Planungssicherheit. Im Sekretariat haben wir dafür jetzt zwei junge Frauen sitzen, unter anderem unsere Tochter.

Mehr Informationen unter anges-afrique.com

Anges d'Afrique a.s.b.l. · 9 rue de la Gare · L-3839 Schifflange | info@anges-afrique.com | IBAN: LU66 0030 2540 3122 0000 | Code BIC: BGLLLULL

User Login